Haltung und Unterbringung von Zwergwachteln

Erwerb/Allgemeines

Beim Kauf von Chin. Zwergwachteln sollte man unbedingt beim Züchter nachfragen, ob es sich um Tiere aus einer Naturbrut handelt.

Chin. Zwergwachteln eignen sich hervorragend als Bodenbesatz in Kanarien- und Sittichvolieren. Ich habe mir meine Vögel als Resteverwerter in meiner Kanarienvoliere angeschafft. Später habe ich alle Volieren mit verschiedenen Farbschlägen besetzt. Bei der Haltung von mehreren Paaren sind unbedingt einige wichtige Punkte zu beachten. Die Paare sollten unbedingt getrennt voneinander gehalten werden, da die Tiere in der Brutzeit äußerst aggressiv reagieren und es meistens mit dem Tod eines Tieres endet. Weiterhin muss zwischen den einzelnen Abteilen ein ausreichender Sichtschutz vorhanden sein, sonst kommt es zu den gleichen Zwischenfällen wie oben beschrieben und eine erfolgreiche Zucht rückt in weite Ferne. Für eine Zimmerhaltung eignen sich Wachteln nicht, da sie wie alle Hühnervögel einen unangenehmen Geruch verbreiten. Meine Tiere befinden sich ganzjährig in der Volierenanlage, die im Winter nicht beheizt wird. Zu Erfrierungen oder anderen Kälteleiden ist es in den fast 20 Jahren, die ich Chin. Zwergwachteln halte, noch nicht gekommen. Es taucht jedoch regelmäßig ein anderes Problem auf. Die Tiere bekommen bei zu begrenzter Haltung Kotballen an den Füßen, die mit äußerster Vorsicht entfernt werden müssen, da die Krallen nur sehr locker in den Zehengliedern sitzen und schnell herausgerissen werden können. Es empfiehlt sich deshalb diese Kotballen ausreichend zu wässern und vorsichtig Schicht für Schicht abzulösen.

Unterbringung

Die Unterbringung der Tiere kann in einem Käfig ab 1m x 0,5m Grundfläche erfolgen, geräumige Volieren sollten in der Hobbyzucht den Vorrang haben. Meine Volieren haben ein Grundmaß von 3,5m x 1m, wobei ein Schutzraum von 1m x 1m vorhanden ist. Man sollte unbedingt darauf achten, dass die Decke entsprechend abgepolstert ist, da schreckhafte Vögel senkrecht nach oben starten und Kopfverletzungen die Folge sind.

Brütendes Wachtelweibchen in einer Außenvoliere 1,1 Zwergwachtel geperlt, Weibchen brütet im Grasbüschel

Ausstattung

Als Bodenbelag bevorzuge ich in der Außenvoliere Walderde und Sand, im Innenbereich Walderde oder Druschabfälle, die ich aus einem Getreidereiniger eines Landwirtschaftsbetriebes beziehe. Diese Druschabfälle haben den Vorteil, dass sie jede Menge Unkrautsamen enthalten, der eine willkommene Abwechslung darstellt. Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass trockene Stellen vorhanden sind, damit die Tiere ihre Staubbäder machen können. Einige Grasbüschel in beiden Bereichen dienen als Versteck- und Brutmöglichkeit.

Futter

Als Futter reiche ich meinen Tieren zusätzlich zu den oben genannten Druschabfällen und Resten der Kanarien noch Hirse, gelegentlich etwas Weichfutter, einige Mehlwürmer, kleine Regenwürmer oder Ähnliches, wie z. B. Spinnen, Weberknechte, Drahtwürmer, Fliegen..., weiterhin reichlich Grünzeug, wie Vogelmiere, Gras und halbreife Sämereien. Täglich frisches Wasser ist selbstverständlich. Die regelmäßige Gabe von Futterkalk hat sich, besonders während der Eiablage und Jungenaufzucht, bestens bewährt.

Brut und Jungenaufzucht

Meine Zwergwachteln schreiten in der Regel ab Ende Mai zur Brut. Bevor es zum erfolgreichen Brutgeschäft kommt, können durchaus erst einmal einige wilde Gelege getätigt werden, die das Weibchen nicht bebrütet. Bei künstlich erbrüteten Vögeln kann der Bruttrieb völlig erlöschen und es werden nur noch Eier gelegt, ohne dass sich das Weibchen setzt.

Das Nest wird meist in den vorhandenen Grasbüscheln errichtet und mit Gras und kleinen Zweigen, sowie Kiefernnadeln ausgepolstert. Bei sehr hohem Gras kann auch eine Kugel als Nest errichtet werden, das Weibchen ist dann bei der Brut nicht mehr zu sehen. Ein Gelege besteht aus 5- 15 Eiern, im Schnitt 7-9. Zu große Gelege kann das Weibchen nicht abdecken und ich nehme deshalb ein paar Eier weg und lasse sie künstlich ausbrüten. Während der Brutzeit hält der Hahn in unmittelbarer Nähe des Nestes ständig Wache. Die Brutdauer liegt bei 16 Tagen. Sind die Jungen geschlüpft setze ich die Tiere aus der Brutmaschine wieder zu den Altvögeln, um keine Fehlprägungen zu ermöglichen. Die Jungen werden von beiden Elterntieren geführt und gehudert. Gelegentlich reagiert ein Hahn gegenüber den Jungen aggressiv und hackt diese, um Verluste auszuschließen kann der betreffende Vogel ohne Probleme entfernt werden, da die Henne die Jungen auch allein führt. In der Zeit der Jungenaufzucht können die Altvögel, wenn der Züchter den Jungen zu nahe kommt, mit Flügelabspreizen und hacken in die Hand, ihre Jungen verteidigen. Sonniges und warmes Wetter ist für die Jungenaufzucht besser als nasse und kalte Witterung,, bei solchem Wetter setze ich das Zuchtpaar und die Jungen in eine Vitrine in meiner Vogelstube.

Junge Zwergwachteln in einer Zimmervitrine   Junge Wachteln in silber

Als Futter reiche ich in den ersten Lebenstagen ein Gemisch aus zerkleinerten Körnern, insbesondere Hirse, Weichfutter, Kalk und Spurenelemente, sowie Vogelmiere. Sind die Jungen dann etwas größer wird normale Hirse gegeben. Kleinere Mehlwürmer werden auch schon in den ersten Tagen mit Vorliebe gefressen, sollten aber nicht zu reichlich gegeben werden. Im Alter von ca. 14-18 Tagen können die Jungen dann von den Alttieren weggenommen werden. Eine Beringung erfolgt mit 4mm Exotenringen.

2-3 Jahresbruten sind durchaus möglich und können auch zugelassen werden. Problematisch ist die erste Lebenswoche der Jungen, da hier mit Verlusten zu rechnen ist, wenn die Jungen sich von den Alttieren entfernen und allein auf Entdeckung gehen.

Wie oben schon beschrieben können Zwergwachteln untereinander sehr aggressiv sein. Es ist deshalb schwierig Jungvögel mit großen Altersunterschieden zusammen zu bringen. Ein Vorfall aus meiner Zucht soll das belegen. Ohne mir groß Gedanken zu machen sperrte ich die Jungen der zweiten Brut zu denen der ersten, doch schon nach kurzer Zeit fielen die älteren über die jüngeren Tiere her und töteten sogar zwei bevor ich einschreiten konnte.

Andreas Glück

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